# Vier Heizungen, ein Pufferspeicher: Warum ich meine Heizung smart mache **Serie: Mein Smart-Home-Heizungsprojekt mit ESP32 — Teil 1 von 5** --- ## Das Problem: Vier Wärmequellen, null Überblick In meinem Haus stecken vier verschiedene Heizungen. Klingt nach Luxus — ist im Alltag eher Chaos: - **Solarthermie** auf dem Dach — gratis, aber nur wenn die Sonne scheint - **Holzvergaser** — billigste Wärme, aber ich muss selbst nachlegen - **Ölkessel** — zuverlässiges Backup, aber teuer - **Luft-Luft-Wärmepumpe** — heizt Räume direkt mit warmer Luft, ohne Umweg über Wasser Die ersten drei speisen in denselben **Pufferspeicher** — einen 1800-Liter-Tank, der die Wärme zwischenspeichert und über Heizkörper ans Haus verteilt. Die Luft-Luft-Wärmepumpe läuft separat: Sie bläst warme Luft direkt in den Raum und hat mit dem Puffer nichts zu tun. Im Prinzip eine clevere Kombi. In der Praxis bedeutet es: Ich renne ständig in den Keller, schaue auf Thermometer, drehe Ventile und frage mich, ob der Holzvergaser noch läuft, die Sonne gleich rauskommt — oder ob ich einfach die Luft-Luft-WP anwerfe und den Puffer in Ruhe lasse. **Die zentrale Frage jeden Morgen:** Ölheizung anmachen, Luft-Luft-WP laufen lassen — oder darauf wetten, dass die Sonne reicht? --- ## Was mich das kostet (wenn ich falsch rate) Ein Beispiel aus dem letzten Winter: Dienstagmorgen, minus 3 Grad. Puffer steht bei 45°C. Die Wetter-App sagt „teils sonnig". Ich lasse den Ölkessel aus — soll die Sonne machen. Um 14 Uhr ist es immer noch bewölkt, der Puffer ist auf 35°C gefallen, das Haus wird kalt. Jetzt muss der Ölkessel ran — im ungünstigsten Moment, weil der Puffer so weit runtergekühlt ist. **Ergebnis:** 8 Liter Heizöl verbrannt — rund 12 Euro an einem einzigen Tag. Die Solarthermie hat null beigetragen. Hätte ich morgens den Holzvergaser angeworfen, wäre das Holz für die gleiche Wärme bei vielleicht 3 Euro gelegen. Vierfacher Preisunterschied, nur weil ich falsch geraten habe. Das ist kein Einzelfall. Die Kombination aus vier Wärmequellen ist nur dann sparsam, wenn man **zur richtigen Zeit die richtige Quelle** einschaltet. Manuell ist das Glücksspiel. --- ## Die Idee: Ein ESP32 mit Display als Heizungs-Gehirn Die Lösung ist überraschend günstig: Ein **ESP32-Mikrocontroller** mit einem **5-Zoll-Touchscreen** — zusammen für rund 30 Euro. Dazu acht Temperatursensoren (10 Euro) und etwas Kabel. Gesamtkosten: **unter 70 Euro**. Was das kleine Gerät können soll: 1. **Alle Temperaturen live anzeigen** — Puffer oben/mitte/unten, Außentemperatur, Kollektor, Abgastemperatur 2. **Wetterprognose einbeziehen** — Wird es sonnig? Dann Öl sperren und auf Solar warten 3. **Automatisch entscheiden** — Nach fünf einfachen Regeln 4. **Ersparnisse berechnen** — Was hätte der Ölkessel gekostet? Was habe ich gespart? --- ## Die fünf Regeln — so einfach wie möglich Nach monatelangem Beobachten meiner Heizung habe ich fünf Regeln destilliert, die fast jede Situation abdecken: ### Regel 1: Holzvergaser läuft? → Alles andere aus! Der Holzvergaser ist die billigste Wärmequelle. Wenn er brennt, braucht niemand sonst zu laufen. Punkt. ### Regel 2: Sonne erwartet? → Morgens den Ölkessel sperren Das ist die wichtigste Regel für die Geldbörse. Wenn die Wetterprognose mehr als 3 Sonnenstunden verspricht, bleibt der Ölkessel morgens gesperrt. Die Solarthermie übernimmt. ### Regel 3: Außentemperatur über +5°C? → Luft-Luft-WP erlaubt Die Luft-Luft-Wärmepumpe heizt Räume direkt mit warmer Luft — ganz ohne Pufferspeicher. Ab +5°C aufwärts liefert sie einen guten COP (Leistungszahl) — sprich: aus 1 kWh Strom werden 3–4 kWh Wärme. Ideal als Ergänzung, wenn der Puffer gerade nicht nachgeladen werden muss. ### Regel 4: Außentemperatur unter +5°C? → Öl statt Luft-Luft-WP Unter 5 Grad quält sich die Luft-Luft-WP — der COP sinkt auf 2 oder weniger, der Stromverbrauch steigt überproportional. Dann lieber den Ölkessel den Puffer laden lassen und die Räume über Heizkörper versorgen. ### Regel 5: Puffer unter 35°C? → Notstart! Egal was die anderen Regeln sagen: Wenn der Puffer unter 35°C fällt, wird sofort die schnellste verfügbare Quelle gestartet. Kaltes Haus ist nicht verhandelbar. --- ## Die Prioritäten-Kette Wenn keine Sonderregel greift, gilt diese Reihenfolge: | Priorität | Quelle | Kosten ca. | Bedingung | |-----------|--------|-----------|-----------| | 1 | ☀️ Solarthermie | 0 €/kWh | Sonne scheint | | 2 | 🪵 Holzvergaser | ~0,04 €/kWh | Manuell befeuern | | 3 | 🌡️ Luft-Luft-WP | ~0,08 €/kWh | Außen > +5°C | | 4 | 🛢️ Ölkessel | ~0,12 €/kWh | Immer verfügbar | Die Logik: **Gratis vor billig vor effizient vor teuer.** --- ## Was auf dem Display zu sehen sein wird Das 5-Zoll-Display zeigt auf einen Blick: - **Oben:** Außentemperatur und Datum - **Mitte:** Wetterprognose mit Empfehlung (z.B. „5 Stunden Sonne erwartet → Öl bleibt aus") - **Puffer-Balken:** Wie voll ist der Speicher? Temperatur oben, mitte, unten - **Status aller vier Quellen:** Welche läuft, welche wartet, welche ist gesperrt? - **Unten:** Tagesersparnis in Euro — was hätte der Ölkessel alleine gekostet? *[Grafik: Display-Layout mit Pufferbalken und Statusanzeige — folgt in Teil 2]* --- ## Was kommt in den nächsten Teilen? | Teil | Thema | |------|-------| | **Teil 2** | Hardware: ESP32-8048S050, DS18B20-Sensoren, Verkabelung — die komplette Einkaufsliste unter 70€ | | **Teil 3** | Software: Sensordaten sammeln, InfluxDB, Grafana-Dashboard — der digitale Blick in den Keller | | **Teil 4** | Das Display-Projekt: Layout, Wetterprognose, Kostenrechnung live auf 5 Zoll | | **Teil 5** | Bonus: Ein 2.8-Zoll-ESP32 als WLAN-Scanner und Diagnose-Tool | --- ## Fazit: 70 Euro gegen Bauchgefühl Bisher entscheide ich nach Bauchgefühl, welche Heizung laufen soll. Manchmal liege ich richtig, oft nicht. Ein ESP32 mit acht Temperatursensoren und einer Wetterprognose kann das besser — für weniger als eine Tankfüllung Heizöl. Im nächsten Teil geht es ans Eingemachte: Welche Hardware genau, wo bestellen, und wie sieht die Verkabelung aus. **Teil 2 erscheint am 6. März.** --- *Dieser Artikel ist Teil 1 der Serie „Mein Smart-Home-Heizungsprojekt mit ESP32". Die Serie dokumentiert den kompletten Aufbau einer intelligenten Heizungssteuerung mit vier Wärmequellen — von der Idee bis zum fertigen Display.* --- **Tags:** ESP32, Smart Home, Heizung, Pufferspeicher, Solarthermie, Holzvergaser, Wärmepumpe, DIY, InfluxDB, Grafana **Kategorie:** Technik / Smart Home **Lesezeit:** ca. 6 Minuten --- ### Grafik-Ideen für diesen Artikel 1. **Titelbild:** Heizungskeller mit Pufferspeicher, vier farbige Rohre (Solar=orange, Holz=braun, WP=blau, Öl=rot), ESP32-Display im Vordergrund 2. **Schaubild:** Die vier Wärmequellen mit Pfeilen zum Pufferspeicher — Prioritäten-Kette als Infografik 3. **Display-Mockup:** Screenshot des geplanten 5-Zoll-Layouts (Pufferbalken, Statusanzeige, Wetterprognose) 4. **Kostenvergleich:** Balkendiagramm — Heizkosten mit vs. ohne smartes System (geschätzt)